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Zeit für eine Repositionierung? Woran du merkst, dass dein Angebot nicht mehr zu dir passt

Wolfgang von Geramb

In diesem Beitrag

Du liest die Beschreibung deines Angebots und findest darin nichts, was falsch wäre. Du kannst diese Arbeit, Menschen fragen danach, vielleicht trägt sie seit Jahren zu deinem Einkommen bei. Trotzdem fällt dir auf, dass die Aufgaben, auf die du heute Lust hast, kaum vorkommen. Nach außen wird vor allem die Arbeit sichtbar, von der du nicht unbedingt noch mehr machen möchtest.

Für erfahrene Coaches, Berater und kreative Selbstständige kann das ein Anlass sein, über Repositionierung nachzudenken: den Schwerpunkt der eigenen Arbeit und des Angebots neu ausrichten und nach außen verständlich machen. Dafür braucht es weder eine Krise noch ein misslungenes Angebot. Die erste Frage ist, was sich für dich verändert hat und was künftig im Mittelpunkt stehen soll.

Woran du merkst, dass sich etwas verschoben hat

Ein Hinweis liegt in den Anfragen, die du bekommst. Sie passen zu dem, was du bisher gezeigt hast, führen dich aber immer wieder zu Aufgaben, die künftig weniger Raum einnehmen sollen. Gleichzeitig tauchen in deiner Arbeit Fähigkeiten oder Interessen auf, die auf deiner Angebotsseite höchstens am Rand stehen. So entsteht eine Lücke zwischen dem, wofür Menschen dich kennen, und dem, was du stärker einbringen möchtest.

Auch dein Alltag liefert Hinweise, wenn bestimmte Aufgaben oder die gewohnte Form der Zusammenarbeit dir nicht mehr entsprechen, obwohl du sie fachlich beherrschst.

Solche Hinweise sind keine Diagnose. Gerade wenn mehrere Richtungen plausibel sind, lohnt sich ein genauer Blick. Deine bisherige Arbeit hat Erfahrung, Beziehungen und womöglich einen verlässlichen Teil deines Einkommens geschaffen. Das ist eine Grundlage für die nächste Entscheidung.

Brauchst du neue Worte, ein anderes Angebot oder eine andere Arbeitsweise?

Wenn deine Arbeit heute schon anders aussieht als auf deiner Website, kann die Kommunikation veraltet sein. Dann geht es zunächst darum, die bestehende Leistung zutreffend zu beschreiben. Du musst aus einer überholten Angebotsseite noch keinen grundlegenden Richtungswechsel ableiten.

Anders ist es, wenn die Anfragen genau zu dem Angebot passen, das du öffentlich machst, du diese Leistung aber nicht länger in den Mittelpunkt stellen willst. Dann liegt die Entscheidung beim Angebot: Welche Erfahrung und welche Art von Arbeit sollen künftig führen? Neue Worte helfen erst, wenn du darüber zumindest eine vorläufige Antwort hast.

Manchmal liegt die Veränderung in der Arbeitsweise. Thema und Zielgruppe können weiterhin passen, während Umfang, Rolle oder Form der Zusammenarbeit neu entschieden werden müssen. Wer diese Frage überspringt, riskiert, dieselbe Arbeit nur unter einem neuen Namen anzubieten. Du musst die drei Bereiche nicht auf einmal lösen. Es reicht, den Punkt zu erkennen, an dem deine nächste Entscheidung liegt.

Was aus deiner Erfahrung mitkommen soll

Für eine Repositionierung musst du nicht bei null anfangen. Eine Fähigkeit kann wertvoll bleiben, auch wenn du sie nicht mehr zum Hauptangebot machen möchtest. Die Frage lautet weniger, was du aus deiner Geschichte streichen solltest, als welche Teile künftig den Schwerpunkt bilden.

In meiner Arbeit nutze ich dafür einen Kompass mit drei Perspektiven. Nimm ein Blatt und beantworte diese Fragen:

  • HIN ZU: Welche Arbeit möchte ich häufiger machen?
  • DURCH MICH: Was bewirke ich auf meine eigene Art immer wieder?
  • NICHT MEHR IM ZENTRUM: Was kann ich gut, möchte es aber nicht weiter zum Schwerpunkt machen?

Eine Kompetenz verschwindet dadurch nicht; sie bekommt einen anderen Platz. Suche nach einer Verbindung zwischen den drei Feldern: Welche Erfahrung trägt die neue Richtung? Für wen könnte sie in einer konkreten Situation hilfreich sein? Wenn dabei mehrere Möglichkeiten entstehen, wähle eine als Arbeitshypothese. Der Kompass hilft dir, eine Richtung zu benennen. Ob daraus ein tragfähiges Angebot wird, beantwortet er noch nicht. Wenn du den Begriff weiter klären möchtest, erklärt die FAQ zum roten Faden, wie Erfahrung, Können und Relevanz zusammenhängen.

Wie das Neue wachsen kann, während das Alte noch trägt

In einem Gespräch über eine neue berufliche Richtung wurde deutlich, dass die bestehende Arbeit auch den Raum für die Entwicklung finanzierte. Diese Absicherung vorschnell als Hindernis zu betrachten, hätte die wirtschaftliche Realität der Person ausgeblendet. Nicht jede Veränderung braucht deshalb einen harten Schnitt. Für manche ist es sinnvoller, eine neue Angebotsidee begrenzt zu erproben, während die bisherige Arbeit vorerst weiterträgt.

Dabei beantworten persönliche Stimmigkeit und Nachfrage verschiedene Fragen. Du kannst eine Richtung finden, die zu deiner Entwicklung passt. Ob mögliche Kunden darin ein relevantes Anliegen erkennen und wofür sie tatsächlich Unterstützung suchen, erfährst du erst im Kontakt mit ihnen. Ein Gespräch kann zeigen, welche Situation sie beschreiben, welche Hilfe sie erwarten und wo deine Idee noch zu allgemein bleibt. Zustimmung zu einem Gedanken ist dabei noch kein Beleg für Zahlungsbereitschaft.

Der nächste Schritt darf klein und konkret sein: Formuliere eine mögliche Richtung aus dem, was du beibehalten und künftig stärker anbieten möchtest. Sprich dann mit einem Menschen, für den sie relevant sein könnte, über dessen tatsächliche Situation. Höre zu, bevor du aus deiner Hypothese ein fertiges Angebot machst. So kann deine bisherige Erfahrung mitkommen, ohne dass du schon heute entscheiden musst, was in Zukunft für immer gilt.

Wenn du diese Richtung nicht allein sortieren möchtest: Next Chapter ist eine zwölfwöchige Begleitung für erfahrene Coaches, Berater und kreative Selbstständige. Gemeinsam wählen wir einen Schwerpunkt aus dem, was du bereits mitbringst, entwickeln daraus ein verständliches Angebot und prüfen die Idee mit möglichen Kunden. Der Anfang ist eine ehrliche Bestandsaufnahme dessen, was bleiben soll und was jetzt nach vorn gehört.

Wolfgang von Geramb

Über den Autor

Wolfgang von Geramb

Gründer von No Niche Rebels und The Second Mountain. Ich helfe vielseitigen Menschen, ihre Erfahrung, Ideen und Angebote in eine verständliche Form zu bringen.

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